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Die Hobbyzucht
Rassehunde kosten Geld. Viel Geld in den Augen des normalverdienenden Zeitgenossen. Beachtet wird hier in erster Linie aber immer nur der Anschaffungspreis und viele Leute denken ernsthaft, das sich alle Züchter eine goldene Nase damit verdienen, wenn sie einen Wurf mit mehreren Jungtieren haben. Tatsächlich ist es jedoch so, dass der Verkaufserlös nur einen Bruchteil der Kosten deckt, die durch eine seriöse Zucht entstehen. Dabei ist nicht ausschlaggebend in welchem Verein oder Verband gezüchtet wird.
Seriöse Züchter haben ihre Hunde aus der Freude an der Sache.
Deckkosten betragen jeweils 800.- bis 1500.- €. Steht dann fest, dass die Deckung erfolgreich war, wird ein seriöser Züchter noch mehr als sonst auf eine ausgewogene Ernährung achten.
Glücklich ist dann Derjenige, bei dessen Hund die Geburt unproblematisch verläuft. Denn ist ein Kaiserschnitt mit der erforderlichen Nachbehandlung nötig, kommen schnell ein paar hundert Euro Tierarztkosten zusätzlich zusammen. Welpenaufzuchtfuttermittel und wiederum stärkende Nahrung für das Muttertier sind für den Fall der Fälle auch immer vorhanden, selbst wenn diese nicht benötigt und später entsorgt werden.
Die ersten drei Lebenswochen sind verhältnismäßig ruhig. Danach beginnen die Kleinen, ihre Umgebung zu erkunden und nicht selten entsteht dabei der eine oder andere Schaden, über den man aber nie ernsthaft böse ist, denn es gehört zur Aufzucht einfach dazu. Und wer kann so einem kleinen Geschöpf auch ernsthaft böse sein, wenn mal etwas kaputt geht.
Mit sechs bis acht Wochen beginnen die ersten Impfungen.
Alle zwei bis drei Wochen werden die Welpen und ihre Mutter, sowie alle anderen im Haushalt lebenden Tiere entwurmt. Allein die Tierarztkosten für gesunde Jungtiere belaufen sich je nach Tierarzt bei einem vollständig entwurmten, getesteten, geimpften und gechipten Jungtier auf
100.- bis 200.- € pro Tier. Dazu kommen die Kosten für Ahnentafeln je Tier. Bei hochwertigem Futter kann man sich auch gut vorstellen, was eine solche Rasselbande bis ca. zur 10. bis 12. Lebenswoche – also bis zum Abgabetermin - vertilgt.
Nun können aber die wenigsten Leute ihre Tiere nur über Mundpropaganda verkaufen. Im Vorfeld wurden Visitenkarten gedruckt, Anzeigen geschaltet. Will man in speziellen Hundezeitschriften inserieren und in der Fülle der Angebote mit einem Foto auffallen, so ist man mit etwas Text auch schnell 50.- bis 140.- € los. Für Anfragen, die nicht aus dem nächsten Umfeld stammen, macht man Fotos, erstellt und pflegt man eine Webseite usw. Das kostet Zeit und Geld.
Doch die meisten Anrufer begnügen sich damit, nach dem Preis zu fragen. Alles Andere spielt keine Rolle; es werden bei verschiedenen Züchtern Kostenvoranschläge eingeholt, als wenn man sich bei verschiedenen Elektrogeschäften den Preis eines bestimmten Fernsehers nennen lässt. Und gekauft wird dann da, wo es am günstigsten ist.
Diese Haltung ist zwar einerseits verständlich, weil schließlich fast niemand zuviel Geld übrig hat. Auf der anderen Seite kommt dann hier aber das genaue Gegenstück zu dem vorher beschriebenen Züchter ins Spiel: der gewissenlose Vermehrer, der seine Tiere ausbeutet und nichts in sie investiert. Dort kostet dann ein Hund einer bestimmten Rasse auf einmal nur 300.- € anstatt 800.- € bei einem seriösen Züchter. Die Tiere werden oft viel zu früh von der Mutter weggenommen und abgegeben, Impfpass und Stammbaum sind, wenn überhaupt vorhanden, oftmals gefälscht und die Tiere sind weder geimpft noch entwurmt. Jemand, der auf diese Art und Weise Jungtiere vermarktet, macht dabei tatsächlich noch Profit : wenn man nichts investiert, sind 300.- € ein Nettogewinn. Die Zeche zahlt dann später der Käufer, der sich zunächst noch über sein vermeintlich günstiges Schnäppchen freut. Die Tiere werden schwer krank, hohe Tierarztkosten sind die Folge und oftmals überleben sie noch nicht einmal. Vielleicht sind sie bedingt durch fehlenden Bezug zum Menschen in den ersten Lebenswochen auch verhaltensgestört oder jemand glaubte, sich tatsächlich aus solchen Verhältnissen ein Showtier zu erwerben und muss dann enttäuscht auf einer Ausstellung feststellen, dass das Tier nur mangelhaft mit der Rassebeschreibung übereinstimmt oder der ausgestellte Stammbaum genetisch gar nicht zu dem Tier passen kann. Solche Leute sind dann sehr enttäuscht und verurteilen dann zu Unrecht alle Züchter. Da sie sich vor dem Kauf nicht die Mühe gemacht haben, Vergleiche anzustellen, können sie sich hinterher auch kein allgemeingültiges Urteil erlauben.
Die Zucht wird auch nicht dadurch profitabler, indem man mehrere potente Hunde und einen eigenen Deckrüden hält. Schließlich müssen auch diese Tiere gepflegt, ernährt und tierärztlich versorgt werden. Auch ist es für einen Züchter nicht immer möglich, mit den teuren Zuchttieren auch tatsächlich zu züchten; entweder weil kein passender Rüde bereit steht oder die Hündin zu wählerisch bei der Partnerwahl ist (was öfter vorkommt als man denkt). Denn seriöse Züchter zwingen ihre Hündinnen nicht zum Deckakt, in dem sie festgehalten werden, wenn die Hündin den Rüden nicht mag.
Da man aber sicherlich in einiger Zeit des Zusammenlebens eine emotionale Bindung zu einem solchen Tier aufgebaut hat wird man es, nicht abgeben oder, schlimmer noch, ins Tierheim abschieben. Kein seriöser Züchter wird seine Tiere nur als Zuchtmaterial ansehen, mit denen er seine Profilierungssucht stillt und seinen Geldbeutel auffüllt. Aber natürlich kosten auch diese Hunde ihren Unterhalt.
Die Zucht von Hunden kann ein wunderschönes Hobby sein. Einen Züchter, der mit Herz und Seele bei der Sache ist, wird es kaum etwas ausmachen, das er auf Urlaubsreisen oder sonstige Vergnügungen weitestgehend verzichten muss und der Unterhalt für mehrere Tiere leicht ein paar hundert Euro im Monat kostet.
Falls Sie sich für ein Rassetier interessieren, beachten Sie bitte Folgendes :
- ein hoher Preis für ein Jungtier garantiert selbstverständlich nicht die Seriosität eines Züchters. Bei extrem günstigen Angeboten sollten Sie aber auf der Hut sein, ob Sie nicht eventuell an einen Händler oder Vermehrer geraten sind.
- Lassen Sie sich die Elterntiere zeigen.
- ein Züchter, der nur wenige Hunde hält, muss nicht unbedingt seriöser sein, als ein Züchter, der mehrere Hunde hat.
- Lassen Sie sich Impfausweise zeigen. Achten Sie darauf, dass die Pässe korrekt und vollständig auf ein Tier passend ausgefüllt sind und sich hinter jedem Impfeintrag im Pass nicht nur die Unterschrift des Veterinärs sondern auch ein Impfaufkleber befindet. Zu jeder Impfportion hat der Tierarzt auch einen Aufkleber. Fehlt dieser, wurde das Tier entweder gar nicht oder mit gestrecktem Impfstoff geimpft.
Nun noch eine Bitte an Sie : Interessieren Sie sich nicht nur für den Anschaffungspreis eines Jungtieres. Mit der Suche nach der möglichst „billigen Ware Rassetier“ fördern Sie die billige Massenzucht und die Importe von kranken Jungtieren aus osteuropäischen Ländern, also den Handel mit unschuldigen und oft todkranken Lebewesen. Vergleichen Sie verschiedene Zuchten, aber bitte nicht an einem Tag, denn wenn sie bei einem Züchter gewesen sind, der eventuell eine ansteckende Krankheit in seinem Zwinger hat und Sie gehen dann zum Nächsten, stellen Sie ein großes Infektionsrisiko für den nächsten Züchter dar. Nehmen Sie sich Zeit für die Auswahl Ihres neuen Hausgenossen, denn schließlich möchten Sie doch lange Zeit an ihm Freude haben.